Verschläft das Radio seine Zukunft?

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Jahresanfang = Trendzeit: Überall poppen sie auf, die Einsichten, die Ansichten und die Aussichten zur großen Frage –  wie wird das Medienjahr 2012? Immer in der vorderster Reihe mit dabei ist der Begriff des Medienwandels. Ja, wo wandelt er denn – möchte ich mal in Bezug auf`s Radio fragen?  Sicher, es hat sich schon einiges getan und unser Medium hat sich (ein wenig) gewandelt. Wir Radiomacher haben z.B. das Netz entdeckt, haben uns schöne und funktionale Homepages aufgebaut, wir sind inzwischen bei Facebook aktiv, nutzen die Plattform auch als Rückkanal, sind teils bei Twitter zu finden oder beginnen uns bei google+ zu engagieren. Wir nutzen die Programmverlängerung ins- und die Kommunikation durchs Netz. Wir setzen Beiträge zu klassischen Servicethemen wie Netzsicherheit etc. Wir wiederholen Mantra-artig „mehr dazu im Netz“. Aber ist das der Medienwandel? Eher die konservative Variante – ein Medienwandel light.

Der Klang, die Konzepte und die inner-redaktionellen Strukturen sind die gleichen geblieben. Sendeuhren, Musiklaufpläne, Nachrichtepräsentationen, Gewinnspiele, Redaktionen funktionieren (meist) nach alten Maßstäben und Richtlinien. Und inhaltlich hat sich auch wenig gewandelt, die gleichen Themenfelder, die gleichen Präsentationsformen. Doch der Weg müsste doch ein anderer sein. Viele unserer Hörer leben im Netz bzw. verbringen (sehr) viel Zeit im Netz. Nach unserer alten Maxime –„Radio ist da, wo die Hörer sind“  müssen wir also auch ins Netz. Aus dem eben erwähnten (oberflächlichen) das Netz kommt ins Radio (mit vereinzelten Servicethemen oder mal einer Kommunikation per Facebook), muss ein programmliches das Radio muss ins Netz werden.

Warum gibt es abends z.B. immer noch nur Special-Musik Sendungen? Gerade ab 19 Uhr ist doch nahezu die halbe Hörerschaft im Internet unterwegs. Wir kümmern uns im Programm aber um HipHop oder Jazz oder andere special-interest-Musikrichtungen. Dabei wäre das die absolut perfekte Zeit für eine YouTube Show, eine Google-Show, eine Facebook-Show, eine Gaming-Show o.ä.. Dann wären wir wirklich da, wo unsere Hörer sind.

Einhergehen müsste diese Umdenke mit einer Investition in neue Mitarbeiter, in Weiterbildung und (voraussichtlich auch) in eine veränderte Redaktionsorganisationsstruktur. Die Programmplaner müssen zunehmend bimedial denken. Und warum hat noch (fast gar) kein Sender eine eigene Online-Redaktion? Dabei wäre das eine klare Investition in unsere bestehende On Air Marke. Zudem können wir in unserer aufgesplitterten Zielgruppenwelt mit solchen Themen neue und somit mehr Hörer abholen. Gleichzeitig können wir experimentieren – wie klingt Radio im Netz. Brauchen wir beispielsweise noch Services wie Verkehrshinweise und Wetter? Und wie klingen Nachrichten aus Netzperspektive? Was braucht es für Musik und wie stark ist der Hörer dabei verantwortlich – gibt es wohlmöglich ein komplett individualisiertes Musikformat? Alles Fragen, die  wir dort testen und gleichzeitig beweisen könnten – es gibt kein klassisches Medium, das so gut wie das Radio mit dem Internet interagieren kann. Und das ist unsere Zukunftsgarantie.

6 Kommentare

  1. @antennenmichel sorry das ich erst jetzt antworte habe deine replik nur per Zufall gerade entdeckt :-(
    Möglicherweise habe ich meinen Gedanken nicht präzise genug formuliert, aber meine Kritik am Umgang von Radiomachern mit Social Media schlägt ja genau in die Kerbe die du als Fortschritt betrachtest. Es reicht eben “NICHT” SM nur als Rückkanal zu betrachten um Themen zu verlängern. Wenn wir SM sinnvoll nutzen wollen, müssen wir die Gegebenheiten der Netzwerke und die Erwartungen der Nutzer akzeptieren. Wer soziale Netzwerke nur als Themenlieferanten oder Abfrageinstrumente nutzt und wahrnimmt wird zwangsläufig scheitern. FB Nutzern geht es nur in zweiter Linie darum das ihr Name im Radio auftaucht (was für den klassischen Radiohörer immer großartig war) sie wollen Unterhaltung, Information und sozialen Austausch im Netz, hier müssen wir als Radiomacher persönlicher werden und und von dem Teasing und Promotiongedanken lösen um auch in Zukunft unsere potentiellen Hörer in den Social Networks zu erreichen und zu binden.

  2. Ich glaube die Formel ist ganz einfach:
    Das zentrale Medium ist in naher Zukunft und in weiten Teilen auch jetzt schon das Internet. Alles andere sind Begleitmedien: Radio, TV, Print…..Punkt.
    Wir müssen das einfach endlich verinnerlichen und dementsprechend handeln, einschließlich webtauglicher Formate.
    Die andere Denke (Radio, Tv, Print sind Haupt- und das Web ist Begleitmedium) ist schlicht überholt und führt mit Vollgas an die Wand!
    Nur eins muss noch dringend geklärt werden: Gute und seriöse Medienarbeit kostet. Und deshalb muss im Netz noch ein sinniges Einnahmemodell gefunden werden.
    Wer meint, sich mit Werbung und untergeschobener PR finanzieren zu können, mag das versuchen. Auch das wird auf Dauer nicht erfolgreich funktionieren.
    Ich hätte da eine “böse” Idee:
    Die “klassischen”Rundfunkgebühren abschaffen und an alle die werbefrei im Netz seriöse (Presse-/Medienkodex) Inhalte bieten über geprüfte Nutzerzahlen verteilen.
    Demokratischer und “öffentlich-rechtlicher” gings nicht, oder?

  3. Ich war entsetzt als ich kürzlich bei meedia.de eine Umfrage unter Fernsehmanager gelesen habe, in der es darum ging, wie das Netz und Entwicklungen wie ein Apple-Fernseher das Medium verändert wird. “Wir sind ja mit Berlin bei Tag und Nacht auch bei Facebook sehr aktiv” war noch eine der besseren Antworten. Bei Radiomachern würden nix Besseres dabei rumkommen. Das zeigt die tägliche Erfahrung mit ihnen. Ich bin deshalb mittlerweile davon überzeugt, dass die Macher ihre Läden genauso wie die Musikwirtschaft gegen die Wand fahren. Die Verleger haben nicht mal ihr Kernprodukt ins neue Zeitalter bringen können, da erwartest du von denen, dass sie beim Radio weitsichtiger sind? Ich nicht.

  4. Im Großen und Ganzen gut erfaßt. Auch wenn eine FB oder Google Show etc. schöne Denkansätze liefern, finde ich der erste Schritt sollte sein Tools wie Facebook oder Twitter wirklich Nutzeraffin einzusetzen. Im Moment ist das ganze noch zu sehr nach dem Schema Sender > Empfänger ausgerichtet und zu wenig auf Kommunikation im Netz. Da besteht im Moment der größte Handlungsbedarf, FB & Co sind keine simplen Rückkanäle um Themen abzuchecken oder zu promoten, sondern Werkzeuge die nach eigenen Gesetzen funktionieren die bei den Radiomachern noch nicht im Werzeugkasten sind ;-)

    • antennenmichel sagt

      Ich denke, dass die Radionmacher in Sachen Facebook und Co. aber zunehmend Ihre Hausaufgaben machen. Das sind doch immer weniger nur social-media-Einbahnstrassen. Vielmehr werden die Meinungen/Kommentare der Hörer wieder On Air genommen und dienen dann z.B. als Verlängerung eines Themas. Das ist ein Prozess, der schon läuft. Was nicht läuft, ist weiter gehende Experimentierfreude. Und da fand ich die Abendstunden gerade spannend, da wir dort unsere möglichen zukünftigen Hörer in großer Zahl abholen könnten. Zumindest könnten wir testen, wie muss ein Internet-Surf-Begleitprogramm klingen…

  5. Begriffe wie bimedial, crossmedial, innovativ und dergleichen sind nonsens. Einen Rückkanal öffnen? – Genau solche Formulierung zeigen das eigentliche Problem. Es interessiert keine Sau mehr, ob ich bei einem Radiosender anrufen kann oder in FB kommentieren kann, solange keine Interaktion On Air passiert. Wo sind denn Talkshows? Wo werden denn Themen aufgezogen, weil ein Hörer euch darauf hingewiesen hat oder ganz plump formuliert: Wo wird denn einfach nur mal Musik gespielt, die nicht nur in den Charts von damals bis heute zu hören ist, die mich aber als Hörer ganz individuell betrifft, da es eine lokale Band ist? Wird diese in der Primetime gespielt? Nein, sie wird in den Abend ausgelagert, denn dort hören ja die komischen Menschen zu, denen man es zutrauen kann, dass sie das aushalten.

    Ihr wollt Hörer im Netz erreichen – mit Gamingshows? Radio kann nicht personalisieren. Radio kann lediglich persönliches thematisieren. Redet mit mir, hört auf, mich vollzusenden.

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