Das Facebook-Experiment

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Foto: Marion Mennicken

Facebook und Radio, gehört das zusammen? Ja, auf jeden Fall, aber noch nicht jeder Radiosender hat das verinnerlicht. Dabei  steigen die Facebook-Nutzer-Zahlen stetig  – konnte das Netz Ende 2010 noch auf knapp 14 Millionen Nutzer in Deutschland blicken, sind es aktuell beim Verfassen dieses Artikels schon 16.215.380. Und das Interessante gerade für uns Radiomacher: Rund 70% der Nutzer sind zwischen 13 und 34 Jahren alt. Nimmt man die nächste Alterskohorte bis  44 Jahre dazu, sind es sogar satte rund 90% (alle Zahlen siehe  facebookmarketing.de – Einen guten Zahlen-Überblick vor allem im Vergleich zur Schweiz und zu Österreich bietet auch Thomas Hutter ).

Getreu der alten Radioweisheit  –  Radio ist da, wo die Hörer sind – müssen wir also auf der Plattform Facebook vertreten sein. Viele Sender sind dies auch schon. Die Facebook-Freundezahlen schwanken aber immens. (Eine gute Deutschland-Übersicht inklusive der Zahl der Facebook-Freunde hat der Kollege Sebastian Pertsch  ins Netz gestellt.) Facebook-Giganten sind zum Beispiel planet radio und sunshine live, die jeweils schon über 100.000 Freunde haben. Ihnen auf den Fersen sind 1 Live, big FM und SWR 3 mit über 80.000 bzw. rund 60.000 Freunden. Es gibt aber auch große Sender – häufig öffentlich-rechtliche wie Deutschlandfunk oder fast alle NDR-Wellen – die bei Facebook noch gar nicht vertreten sind.

Aber was machen die Radiosender bei Facebook. Ich habe das Facebook-Experiment gemacht und habe eine Woche lang die Postings von 10 Radiosendern verfolgt. Das Ergebnis – so unterschiedlich die Sender in Ausrichtung und Klang sind, so unterschiedlich ist auch ihre Facebook-Kommunikation. Die Zahl der täglichen Postings schwankt zwischen ein/zwei wöchentlich bis hin zu höchstens acht am Tag. Inhaltlich lassen sich vier Cluster bilden.

  1. Promi- bzw. Boulevard-Nachrichten –  Radio Energy ist einer der Facebook-aktiven Sender und postet z.B. so: „Michelle Pfeiffer in der Gosse… Was treibt die Schauspielerin zwischen Mülltüten am Straßenrand? Das erfahrt ihr auf ENERGY.de“. Der Verweis auf die Homepage gehört bei diesen Postings in der Regel dazu. Häufig wird diese Kommunikation auch mit einer  direkten  Frage an die Hörer angereichert: „Chris Brown darf sich Rihanna wieder nähern. Zwei Jahre nach dem Angriff ist der Sicherheitsabstand zwischen Rihanna und Chris Brown aufgehoben. Findet ihr das richtig? Mehr dazu gibt’s auf ENERGY.de“.
  2. Programm- und Off-Airteasings – Radio Fritz, auch einer der „Viel-Poster-Sender“ nutzt Facebook in diese Richtung: „Radio Fritz hat gerade gelesen, dass sich männliche Kapuzineräffchen auf Hände und Füße pinkeln, um Weibchen anzulocken und rumzukriegen. Jetzt fragt Hendrik Schröder Euch ab 12 im High Noon: Was waren die schönsten, schlimmsten und dämlichsten Anmachen, die Ihr bisher erlebt oder fabriziert habt? Ruft an: 0331 70 97 110. Oder postet gleich hier.“ Dabei interessant, die Art der Ansprache: Wir, Radio Fritz, machen das…, was macht Ihr. Klassisch dem On Air-Prinzip folgend gibt es kein Posting ohne Sendernamen, ein Prinzip, das auch 1Live vom WDR durchgehend verfolgt, SWR 3 postet manchmal so.
  3. „Lebensgefühl-Postings“ – bei SWR 3, einem der wenigen  Zielgruppenälteren und Facebook-aktiven Sender liest sich das so: „SWR 3 sucht heute das Glück. Habt ihr es zufällig gesehen?“ Ebenfalls recht sparsam, Antenne Bayern: „Frühling 2011 – wo bist du?????“.
  4. Nachrichten-Postings – Antenne Düsseldorf geht diesen Weg in der beobachteten Auswahl am konsequentesten und postet täglich 2x so: „Die aktuellen Lokalnachrichten: Wehrhahn-Linie: Ab April wird es oberirdisch etwas ruhiger, Mord in Eller: Staatsanwaltschaft will schnellen Prozess, Kritik an Kö-Bogen-Plänen wird lauter, Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, und: Public Viewing zum Song Contest – Ort weiter unklar.“  Bei den meisten anderen Sendern findet dieses Posting wenn nur auf einzelne Nachrichten bezogen statt: „1Live freut sich mit den Studenten im Sektor. Es ist eines der zentralen Wahlversprechen von Rot-Grün – am Donnerstag (24.02.11) hat der Landtag die Abschaffung der Studiengebühren beschlossen. Ab Oktober müssen die Studenten nicht mehr zahlen. Die SPD feiert. CDU und FDP fürchten um die Qualität der Lehre…“

Neben den inhaltlichen Unterschieden schwanken auch die Längen der Postings – Das Ding z.B. postet gerne lang: „Wir haben mal ganz investigativ nachgefragt, wie viel Ahnung die Miss Internet vom Internet hat… Tiffany Sachs aus Nagold hat sich in der Mittagspause einen Tag vor Bewerbungsschluss bei einer Misswahl im Netz beworben. Einfach so, aus dem Bauch raus: Freund und Familie wussten von nichts; plötzlich hatte Tiffany eine Krone auf und war eine echte Miss!“ Während Radio Fritz eher die kurze Variante bevorzugt: „Radio Fritz freut sich über Sonnenstrahlen auf der Nase!“  In Sachen Ansprache wird in der Regel geduzt. Optisch sind die Postings meist mit dem Logo verbunden. Einen anderen Weg geht hier FFH: Der Sender hat in der Testwoche mit seinem Logo gerade vier Postings gesetzt, häufiger posten die Moderatoren mit ihrem Foto. 

Insgesamt zeigt sich also – Radio und Facebook ist ein sehr weites (Spiel-)Feld. Ganz klar ist aber, die Hörer machen mit. Auf allen Seiten wurden die Fragen, Anregungen, Tipps der Sender von den Hörern aufgenommen, kommentiert und beantwortet – insgesamt also ein gut funktionierender Rückkanal und ein Muss für jeden Radiosender.    

Die beobachteten Sender waren: SWR 3, Das Ding, Radio Fritz, planet radio, WDR 2, Radio FFH, HR 3, 1Live, Antenne Bayern, Antenne Düsseldorf.

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  1. Pingback: dxradio.de : Radio to go – Das Facebook-Experiment

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