Welche Plattform darf`s denn sein – Spotify?

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Foto: Marion Mennicken

Multichannel-Strategie heißt für viele Radiosender das Online-Zauberwort. Zum einen bedienen sie die eigenen Website, zum anderen sind sie bei Facebook, bei Twitter und/oder auch bei Google+ unterwegs. Hinzu kommt neuerdings auch zunehmend WhatsApp (von WhatsApp handelte mein letzter Blogartikel). Aber was ist mit den anderen Plattformen wie Spotify, Instagram, Pinterest usw. – wichtig oder nicht wichtig? Und wenn ja, wie kann ich sie nutzen, wie machen es die anderen. Ich möchte mit ein paar Zahlen und Beispielen Argumente für oder gegen die verschiedenen Plattformen liefern. Heute geht es um die Musik-Streaming-Plattform Spotify.

Aktuelle Zahlen: 

Spotify hat seine Nutzerzahl 2014 nach eigenen Angaben auf 60 Mio. weltweit gesteigert. 15 Mio. davon haben sich für den kostenpflichtigen Premium-Dienst entschieden. Im Vergleich zu 2013 hat „Europas Vorzeige-StartUp“ so wieder ein sattes Wachstum um 50% hingelegt. Ob der Nutzer-Zuwachs Spotify auch auf der finanziellen Ebene hilft, ist nicht bekannt bzw. zweifelhaft. 2013 hatte der Streaming-Dienst trotz ähnlicher Zuwächse ein sattes Minus von 93 Mio. Euro hinnehmen müssen. Trotzdem sollte die Kriegskasse immer noch gut gefüllt sein, hatte sich Spotify doch erst 2013 250 Mio. Dollar neues Kapital besorgt. Nichtsdestotrotz ist der Finanzhunger weiter ungestillt. Eine neue Finanzierungsrunde über weitere 500 Mio. Dollar wird gerade angeschoben.

Nutzerzahlen für Deutschland sind leider nicht bekannt. Die präsentierten Zahlen beziehen sich immer nur auf die weltweite Nutzung. Dafür hier eine smarte und ausdrücklich als solche gekennzeichnete Milchmädchen-Rechnung: 60 Mio. Nutzer weltweit geteilt durch 60 Länder mal Faktor Deutschland als drittgrößtem Streaming-Markt der Welt wird voraussichtlich eine Nutzerzahl von unter 5 Mio ergeben. Im Vergleich zu Facebook, WhatsApp, Instagram ist das wenig.

Aussichten

Die Perspektiven sind nicht ganz unproblematisch. Positiv ist erst einmal: Der Rückzug von Taylor Swift im November 2014 hat keinen Domino-Effekt bei anderen Stars in Gang gesetzt. Negativ aber sind die Aussichten mit Blick auf die wachsende Konkurrenz.  15 Musikstreaming-Dienste buhlen aktuell schon um die Gunst der Hörer. Weitere, äußerst namhafte Konkurrenz ist angekündigt. Apple und Google wollen auch auf Musikstreaming-Markt. Wann genau sie ihre Angebote starten, ist aber noch nicht bekannt. Doch ab Startbeginn werden sie direkt brandheiße Konkurrenten. Allein durch ihre Finanzkraft und Marktmacht können Google und Apple ein solches Angebot mit einem satten Donnerhall auf den Markt werfen. Da hilft es dann voraussichtlich auch nicht, dass Deutschland gerne streamt: 2014 waren es 5 Milliarden Songs, ein Jahr davor „nur“ 2,8 Milliarden.

 Spotify und Radio

Spotify macht für Radiosender in dreierlei Hinsicht Sinn: Sie erreichen neue Hörergruppen, sie können die eigene Musikkompetenz stärken und sie können mit Ihren Hörern interagieren. Je nach Kooperationsform kann noch ein vierter Punkt dazu kommen – sie erhalten von Spotify Streaming-Profile für ihre Region sprich welche Songs werden in Sendegebiet am meisten gestreamt. Damit erhält die Musikredaktion ggfs. interessante Zusatzfakten zur Forschung. Doch trotz dieser Pluspunkte gerade im stark umkämpften Musikmarkt, sind nur wenige Kooperationen bekannt. Eigene Shows haben zum Beispiel BigFM – „Die BigFM Spotify Show“ oder Kiss FM mit dem knackigen Showtitel „Die 98.8 Kiss FM Spotiy Top 20 – Berlins meistgestreamte Tracks“. Bei Beiden sind die von Spotify gelieferten Streaming-Daten Grundlage der Musikauswahl (-> Pressemitteilung BigFM) genommen. Kristian Kropp, Geschäftsführer von BigFM und RPR 1 sagt in einem aktuellen Interview mit radiowoche.de: „Spotify ist kein Feind, Spotify ist der Freund des Radio. (…) Spotify ist der perfekte Multiplikator für unsere Shows, unsere Playlisten. Wir erreichen über Spotify Nicht Hörer von Radio.“ Auf Basis der Folllower-Zahlen der Playlisten erscheinen die Erfolge aber eher sparsam. Obwohl BigFM insgesamt über 37.000 Follower auf seinem Spotify-Profil verzeichnet, hat die „BigFm Spotify Show“ vom 16. Januar nur rund 200 Follower, „Die ultimative Valentins-Playliste für Singles“ vom 14. Februar nur 43 Follower. Ähnliche Zahlen finden sich auch für die Playlisten anderer Sender. Einen aufwendigeren Weg geht detektor.fm, das Internetradio aus Leipzig. Hier werden nicht nur verschiedene Playlisten sondern auch die Rezensionen zu den von Ihnen vorgestellten Künstlern, dazu Interviews und Termine des Senders gepostet. Damit ist der Nutzwert für den Hörer deutlich größer. Leider sind keine Zahlen sichtbar, die den Erfolg messen lassen könnten.

Eine andere, sehr spannende Variante präsentiert die BBC. Sie ermöglicht es dem User seine über den Playlister – eine Art Titelsammelstelle im Rahmen des BBC-iPlayers – zusammengestellte Playliste über Spotify abzuhören. Sprich – wir können unsere bei der BBC gehörten Lieblingstitel erst dort markieren und dann auf Spotify exportieren. Das ist natürlich hörernäher als eine rein vom Sender oder von Spotify kuratierte Playliste.

Fazit:

Spotify erscheint für die klassischen AC-Radiosender überschaubar reizvoll.. Das liegt speziell an den geringen Nutzerzahlen in Deutschland. Unter voraussichtlich 10% Nutzer im Sendegebiet sind einfach zu wenig, um einen größeren Aufwand zu betreiben. Für jüngere Wellen sollte Spotify aber durchaus interessant sein, weil besonders das Teilungsinteresse auch viel größer ist. Leider erscheinen die Interaktionsmöglichkeiten für einen Sender über Spotify beschränkt. Aber es gibt eine Möglichkeit. Der Schlüssel sind gemeinsam erstellte Playlisten. Diese Funktion ermöglicht es, mit den Hörern zusammen Playlisten zu erstellen. Wenn ein Sender das noch mit bestimmten am Lebensgefühl-Situationen verbände, ergäbe das auch für den Hörer interessante Playlisten. Wie wäre es mit der „Antenne Düsseldorf-Wake-Up-Playliste“ oder „RPR 1-Party-Playliste“ oder die „Antenne Niedersachsen-Valentinstag-Playliste“. Diese Playlisten dann auch noch im Programm platziert wären Beweis eines funktionierenden Rückkanals. Zudem – diese Interaktion mit dem Sender würden die Hörer sicher gerne danken, indem sie diese Liste auch mit Ihren Freunden etc. teilen. Dazu käme noch der Zusatznutzen – die Begleitung der entsprechenden Lebenssituationen der Hörer, auch ein Anreiz zu teilen. Ein Versuch wäre es wert.

 

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