WhatsApp – das bessere Facebook für die Hörer?

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WhatsApp – das bessere Facebook für die Hörer?

Der Kicker macht es und Focus online auch. Sie bieten ihren Lesern in den jeweiligen  Apps an, ihre Inhalte auch über WhatsApp zu teilen. Und das mit Erfolg: „Wir machen mit unseren Feature sehr gute Erfahrungen. Genaue Zahlen möchten wir nicht nennen, doch die Shares über WhatsApp liegen über den Facebook-Shares,“ sagt Jürgen Schlott, Direktor Produkt und Marketing von Focus Online in einem Interview mit  dem Kress-Report 12/14. Einer der Gründe ist nach seiner Ansicht das rasante Wachstum von WhatsApp. Das bremst auch die Diskussion um fehlenden Datenschutz scheinbar nur wenig.  Inzwischen gibt es in Deutschland rund 27 Mio. registrierte Facebook-Nutzer aber schon über 31 Mio. „WhatsApper“.

WhatsApp und Radio

Das klingt doch viel versprechend, ist aber bei anderen Medienmarken und besonders bei den Radiosendern hierzulande noch nicht angekommen (Ausnahme MDR Sputnik, siehe Nachtrag vom 18.9.2014 unten). Dabei denke ich, dass gerade ihre Inhalte mit der natürlichen Nähe zu ihren Hörern beste Sharing-Chancen hätten. Denn schaue ich in meinen Bekanntenkreis, dann wird höchst selten über Twitter kommuniziert, allgemeineres läuft über Facebook, die große Kommunikationsplattform im persönlichen Bereich aber ist (inzwischen) WhatsApp. Die Radiosender kommunizieren mit Ihren Hörern aber in der Regel über Facebook – arbeiten also sozusagen mit der „zweitwichtigsten Plattform“.

Watson.ch

Das neue Newsportal aus der Schweiz watson.ch geht da viel rigoroser vor. „Wer es als Medienmarke schafft, in WhatsApp der Nutzer rein zu kommen, der wird richtig abgehen. Denn das ist der intimste Kreis,“ sagt Hansi Voigt, dem Gründer von watson.ch. Für ihn ist eine Empfehlung per WhatsApp pures Gold. Besonders spannend sei, dass viele WhatsApp-Nutzer ja schon in zahlreichen anderen Gruppen organisiert sind. Wenn in diesen Kreisen ein Link weiter gereicht wird, hätte die virale Verbreitung eine große Chance.  Folgerichtig bietet watson.ch in seiner App den Button „per WhatsApp senden an“ – siehe Screenshot.

 Screenshot Watson.ch

Die BBC als Vorbild

Noch weiter ist die BBC gegangen. Rund um die Wahl in Indien im April 2014 legten sie den Account „BBC News India“ an, über den sie ihren Lesern Nachrichten zum Teilen anboten. Die Leser mussten eine Telefonnummer als neuen Kontakt auf ihrem Smartphone eingeben, eine Textmesssage verschicken und ab da bekamen sie höchstens 3x pro Tag – so die BBC – ein aktuelles Update. Dabei hat sich die BBC der Broadcast-Funktion von WhatsApp zu Eigen gemacht. Sie ermöglicht es, „Nachrichten an viele Personen auf einmal zu schicken, ohne das die Empfänger sich gegenseitig sehen können“, wie es WhatsApp selbst in seinen FAQ`s beschreibt. In der Erweiterung dieser Funktion können „Broadcastlisten“ zusammengestellt werden, denen dann die Nachrichten geschickt werden.

Der Radio-WhatsApp-Traum

Übertragen wir diese Möglichkeit doch einfach mal aufs Radio und denken dabei daran, WhatsApp kann auch Sprachnachrichten. Das Ergebnis: Wir bauen Broadcastlisten von unseren Hörern auf. Wir lassen unsere Frühmoderatorin oder unseren Frühmoderator die Morningshow per WhatsApp persönlich ankündigen und landen damit als Nachricht auf den Smartphones der Hörer. (Interessant in diesem Zusammenhang: Die Kollegen von Chip.de haben eine Möglichkeit gezeigt, wie WhatsApp auch vom PC aus genutzt werden kann.) Wie großartig wäre das denn, wie nah kämen wir damit an unsere Hörer und wie direkt ist dieser Weg. Zudem ist das Ganze ja ausbaubar: Sie legen zum einen eine Frühsendungsliste an, zum anderen auch eine (Lokal-)Newsliste oder ja vielleicht sogar einen Gewinnspielliste. Sicherlich bräuchte es in Deutschland etwas Überzeugungsarbeit, dass die Hörer sich so anmelden. Aber wenn einer Vertrauen bei seinen Hörern genießt, dann sind es doch gerade die FrühmoderatorInnen bzw. die Radiosender. Also WhatsAppen sie doch mal ein wenig und schreiben Sie mir gerne von ihren Erfahrungen.

Nachtrag vom 18.9.2014:

Tom Leonhardt  – Danke Tom – hat mich darauf hingewiesen, die Kollegen von MDR Sputnik haben WhatsApp schon länger in Ihre Hörer-Kommunikation integriert. Hier ein Interview über Ihre Erfahrungen bei Radioszene vom 3. August diesen Jahres und hier die Sputnik-Kontaktseite.

Nachtrag vom 26.9. 2014:

Auch YouFM und Radio Arabella “sind jetzt auf WhatsApp gekommen”, wie die Kollegen von radioszene.de berichten.

Interessant ist auch die Analyse, die die Kollegen von netzwetig.com präsentieren. Sie arbeiten die Parallelen zwischen RRS-Feed und WhatsApp-Posting heraus. Exemplarisch beschreiben sie die Aktionen der BBC – siehe oben – und auch des Schweizer Radio und Fernsehens – SRF – bei WhatsApp und nehmen an, dass das erst der Anfang eines neuen medialen Kommunikationsweg sein könnte. Zitat: “Denn das ungebrochene Wachstum von WhatsApp mit seinen jetzt über 600 Millionen aktiven Anwendern sowie jüngste Ergebnisse einer Studie, die eine Verlagerung der öffentlichen Sharing-Aktivitäten bei Facebook hin zum privatem Teilen von Informationen über Messenger-Anwendungen erkannte, implizieren, dass User tatsächlich ein Interesse daran haben könnten, mehr als nur Chat-Nachrichten über WhatsApp, Messenger und Co zu erhalten.”

Nachtrag vom 29.9.

Interessant: Der Redakteur Konrad Weber hat im Vorfeld über die Absichten des SRF`s mit seinem WhatsApp Experiment geschrieben, Kollege Marc Krüger fand es im Nachhinein sehr gelungen.

Nachtrag vom 27.11.

WhatsApp sorgt weiter für Furore. Hier ein Artikel von media.de u.a. zur Wirkung von WhatsApp am Beispiel des FC Valencia. Und auch weitere Radiosender wie z.B. Antenne MV und Radio Arabella sind auf den WhatsApp-Kommunikationszug aufgesprungen. Zudem bin ich im Rahmen meiner Dozententätigkeit an der Uni Düsseldorf noch auf diesen interessanten (und schon etwas älteren) Artikel in Sachen WhatsApp-Nutzung im Radio gestossen. Der Beitrag der Kollegen von Radioszene führt auch ein Beispiel zur Echtzeit-Nutzung von WhatsApp (siehe letztes Beispieltake) auf. Die Soundfiles kommen von Sputnik. Schneller kann Radio nicht sein.

Nachtrag vom 11.2.

“WhatsApp – der neue Kanal für Journalisten” – Interessantes Interview mit Konrad Weber vom SRF geführt vom Kollegen Daniel Bochs. Interessanter Aspekt zum Workflow:  “Ja – wir haben allerdings versucht, die Workflows etwas zu optimieren. So haben wir längere Texte oft direkt am Desktop vorgeschrieben, via Mail direkt aufs Smartphone geschickt und so dann in WhatsApp verschickt. Zudem haben wir das Smartphone mit einer Bluetooth-Tastatur verbunden, um ebenfalls schneller schreiben zu können.”

Nachtrag vom 20.2.

Interessanter Artikel von Marvin Schade bei meedia.de zu “WhatsApp als Vertriebskanal: Wann Redaktionen ein eigener Account nützt“.


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